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I jused dropped in to see what condion my condion was in

 Samstag, der 7. November

Der Tag an dem "Hanfschwaden" durchs Pfarrhaus ziehen.

Es ist morgen. Gewohnt liebevoll hat der Pfarrer seinen Lieben das Frühstück bereitet. Da betritt die Pfarrfrau das Esszimmer, rümpft die Nase, setzt einen vorwurfsvoll-kritischen Blick auf und meint:“Riecht es hier etwa nach Hanf?!“ Der Pfarrer schnüffelt und entgegnet dann eine Spur zu lässig mit kryptischer Gegenfrage (man kennt das ja: Vorwürfe treffen gerade wenn sie unbegründet sind, oder wer hat kein schlechtes Gefühl, begegnet man der Polizie, selbst dann wenn man wegen vorausgurkendene Opi ausnahmsweise mit 50 innerorts unterwegs ist): „Du meinst doch nicht etwa?“ Der Verdacht liegt angesichts aktueller Familiensituation eher fern, deshalb entschließt sich das Paar analytisch vorzugehen. Woher könnte der ungewohnte aber nicht unangeheme Duft strömen. Erstmal eindeutlig: Epizentrum der Schwaden ist der Toaster! Wie kommt der Duftstoff in das Gerät hinein? Man kommt auf eine Änderund der daily routine. Heute morgen schob der Pfarrer Lidltoat in die Toaster. Zur Entschuldigung: Das Paar musste dem Schweinesystem nachgegen, da das natürlich selbstgebackene Biodinkelbrot schleiht und ergreifend alle war und der unsympatische Diskounter die einzige Möglich an Nachschub zu kommen. Die Pfarrfraugeht sofort die Inhaltsstoffe auf der Verpackung nach. Man traut denen mittlerweile alles zu. wer Dioxin ins Fleisch mischt und käsefreien Käse anbietet, der steckt auch zur Kundenbindung THC in den Toast. Der Pfarrer wendet aber kritisch eion, dass Hanf sicher teurer wäre als Weizenmehl und man sich doch noch gewundert hätte wie das alles sooo billig sein könne (sogar gegen Aldi) und überhaupt. Die Pfarrfrau stimmt zu, findet auch nichts verdächtiges auf der packung abgesehen von den 12 E irgendwas, aber die sind in der regel ja nur schädlich ohne dabei zu schmecken oder riechen. Nach fruchtlosen Überlegen und lustlosen Knabbern an den Toastscheiben (jetzt wo´s bezahlt ist will man ja nichts wegwerfen, außerdem ist nichts anderes im Haus) keimt die Idee doch mal den Toaster umzudrehen. Es rieselt alte Krumen und es duftet der Pfarrer summt unwillkürlich einen CCR Song. Da kommt etwas. Etwas pflanzliches, ein Halm. Die Pfarrfrau triumphiert also doch? Nein und jetzt aufgepasst liebe Hanfphobe, die ein wenig auf den Geldbeutel oder dioe Haarprobe achten müssen. Ein Stückchen des zum troknen aufgehängten Beifußes (altes Weihnachtsentengewürz) ist in den Toaster gestürtzt und alleiniger Grund für die morgendliche humoreske Szene.

 

Freitag 18. September 2009

 

An dem Heiligenthal eine wählende Nichtwählerin beerdigt

 Vor vier Jahren noch haben wir noch –evangelisch aus gutem Grund – zur Wahl aufgerufen. Unsere Landeskirche hatte recht gute Gründe beschrieben, sich politisch zu engagieren. Schaut man heute auf die Homepage der Kirche finden sich Verabschiedungen und Reden von Pröpsten, Bachkonzerten und Lust-auf-Gemeinde-Veranstaltungen; zur kommenden Bundestagswahl aber nichts. Ist der Kirche die Lust am wählen vergangen? Ob der Kirche weiß ich nicht, mir selber aber ordentlich. Zu blöd sind mir die Slogans der Parteien, allen voran der C (also christlichen) die gegen das Vater Unser behauptet „Wir haben die Kraft“, dabei uns potentiellen Nichtwählern aber verschweigt, wofür sie diese Kraft einsetzen will. Zu schwammig die Sozialen, die zwar wieder linke Politik machen wollen aber auf keinen Fall mit den Linken – jedenfalls jetzt noch nichts. Ich fürchte mir geht es wie dem Schriftsteller Maxim Biller, der zwar keine Partei wählen will, der aber sofort zur Wahl ginge, wenn man ankreuzen könne, welcher Partei man die stimme verweigert.

Noch weiter gedacht hat die Frau die ich heute beerdigen durfte. Im hohen Alter ein politischer Kopf hat sie sich vorgenommen zur Wahl zu gehen und auf dem Stimmzettel zu vermerken, dass sie mit keiner Partei einverstanden ist.

Das finde ich eine gute Alternative und in ihrem Sinne kann ich dann noch zur Wahl aufrufen: Glücklich ist, wer seine Interessen von einer Partei vertreten findet, wer nicht geht eben hin um das ausdrücken.

 

 

Dienstag 08. September 2009

 

Der Tag an dem heiligenthal sich eine Fortbildungsveranstaltung ausdenkt

Im Jahr 1654 bewies ein gewisser Otto von Guericke vor dem Regensburger Reichstag die Kraft des Nichts. Genauer: Er ließ dreißig Gäule wie wild an einer Vakuum verschlossenen Kugel (also gefüllt durch das gewisse Nichts) ziehen, die nicht auseinander zu reißen wahr. Warum mir das in den Sinn kommt? Nun: Dreihundertsechsundfünfzig Jahre später soll sich diese Geschichte so ähnlich im hohen Vogelsberg wiederholen. Rund zwanzig Pfarrerinnen und Pfarrer lassen sich über hunderte Kilometer (Summe der Anfahrtswege) anziehen – vom Nichts. Genauer: vom Hauptpunkt der monatlichen Dekanatsversammlung „Thema: noch offen“.

Und so sitzen wir dann im schönen Stockhausen, obwohl man sich erst außerplanmäßig vor zwei Wochen (zur Aussprache über den neuen Dekan) sah und reden vermutlich darüber wie wichtig es ist, dass man bei all dem Stress im Leben des Pfarrers auch mal Freiräume schafft (allgemeines Zustimmen durch Kopfnicken) oder auch, dass es gut ist, wenn Gemeinden eine Vakanz spüren und merken, dass nicht alles so wie immer sein kann, wenn kein Pfarrer da ist und das auch mal heilsam ist. Das muss dann allerdings mit dem Stellvertreter des Dekans besprochen werden, weil die Dekanestelle gerade vakant ist….

Weil Reden und Tun (oder besser: Reden uns es auch mal sein lassen) nicht so gut zueinander passen habe ich mir eine Fortbildung überlegt, die im Rahmen der übernächsten Dekanatskonferenz stattfinden soll, wofür ich in der kommenden Sitzung heftig werben will. Folgender Arbeitstitel „Lass ma´: Wenn nichts zu bereden ist, muss auch nichts besprochen werden“

Das Fortbildungsprogramm sieht vor mit dem Praktischen zu beginnen und die erste Sitzung ausfallen zu lassen (auch weil ich keine rechte Lust habe, mir so richtig eine Konzeption einfallen zu lassen und deshalb das Thema noch offen wäre und das geht ja gar nicht).

 

 

Sonntag 14. Juni 2009

Der Tag an den die Schweinegrippe nicht zu uns kam

Na toll, eine Freundin liegt mit Verdacht auf Grippevirus im Krankenhaus, natürlich hatten wir regen Kontakt und Maria kratzt es im Hals und Jakob bekommt Fieber. Ich verspüre so gar keine Lust Teil einer Pandemie zu werden. Also ein guter Tag den IPod mal ganz neu zu sortieren: Weg mit dem ganzen Avantgard-Krach-Kram, den man sowieso nie hört, Sonic Youth, Björk und Konsorten, hinfort mit und die mexikanischen Radaubrüder Tito und Tarruntala werden auch vorsichtshalber in Quarantäne gestellt. Stattdessen Gigabyteweise Jazzstandarts die von gut aussehenden Frauen geträllert werden und das besser als Lyambiko und Nora Jones (is´ ja nicht schwer). Ein paar erwiesen sich postkopierend als richtig gute Sängerinnen (Tierney Sutton), ordentliche Songwriterinnen (Sara Gazparek) oder waren schon immer göttlich (Sarah Vaughan). Dazu noch ein bisschen straighter Blaus von Jon Spencer und fertich is´. Die Frage, ob das jetzt identifikatorisch oder kompensatorisch ist, verbiete und verbitte ich mir.

Dann bleibt noch Luft für ein bisschen Literatur. Ton in Ton wird dieser Chinese ausgepackt, der über Balzac und Schneiderinnen schreibt. Nie war eine Liebe in Zeiten der Unerziehungslager romanssicher, selten Maos Schreckensherrschaftsmethoden so spitzbübisch und bauernschlau verklärt, ein Lob au das Richtige im Falschen. Das läßt schon fast den letzten Moers vergessen, der eben noch voll Verachtung ausgelesen wurde. Mensch, dem Mann fällt nix mehr ein, schade. Mein Deutschlehrer (der, der immer gut dafür war einem die Freude an der Muttersprache auszutreiben) hat ja immer behauptet, jedes Buch könne einem aufgeschlossenen Geist etwas sagen – aufgeschlossener Geist, vielleicht eine schöne Metapher, dass Herr H. nicht ganz dicht war und kaum kommt man auf ihn zu sprechen, schweift man auch schon – auch symptomatisch.

Und so lernt man von Moers, dass man dringend in Erholungsurlaub gehen sollte, wenn man nix sinnvolles mehr zu sagen hat. Mit einigen Grausen schweifen meine Gedanken zur gestrigen Hochzeit, die ich auf Englisch halten durfte. Sofort lege ich den Chinesen weg und greife zum Hören, um Bruder Walter (Nachbarpfarrer) zu fragen, ob er mich für ein paar Tage vertreten kann.

Wird leider nix, der Kollege weilt im Urlaub, na ja wenigstens kommt spät am Abend, die Entwarnung aus dem Krankenhaus und so müssen wir uns nur mit normaler Grippe rumschlagen, in der Woche, die eine Beerdigung, Dekanatssitzung, (wer plant eigentlich so scheiße) mehrere Taufgespräche, Unterricht, Geburtstagsbesuche, zwei Gottesdienste und eine KV Wahl beschert.

 


    
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Man sagt das Pfarrbüro sei recht ungewöhnlich geraten. Hier öffnet es seine verwunderlichen virtuellen Türen...
Jeder Mensch braucht (s)einen Engel
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              Tango gefällig?

                                   safe.JPG Sicher ist sicher....

                                   



    
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Bücher der letzten Zeit

 
Wenn man Familiensagen vor sich hat, dann spielen die nicht selten in Schweden,verfolgen bürgerliche Generationen mit Liebschaften, Intrigen und und lesen sich deshalb wie kalter Kaffee. Es geht aber auch
anders: Junot Diaz verfolgt das kurze wundersame Leben des Oscar Wao
Das spielt in den USA wurzelt aber in Haiti und wird bestimmt durch Sex und Drugs sowie Vodoo und Fuku (eine besonders fiese Art des karbischen Fluches). Von dem einen hat der fette Oscar deutlich zu wenig, dafür wird er mit Letzterem reichlich "gesegnet". Bis der Antiheld den Heldentod sterben darf verfolgt Diaz mittels unterschiedlichen Erzählern das Leben der Familie Wao, erzählt uns im irren Tempo vom Grauen des Papa und Baby Doc Duvalier Regimes und beweist, dass Dramen ganz unschwedisch fesseln können.
Apropos Tempo: Im Erstling von Thomas Klupp "Paradiso" geht's auch rasant zu. Eigentlich ein Road Movie in Buchform: Alex Böhm versucht von Berlin aus in eineinhalb Tagen nach München zu kommen, wo die neue Freundin ihn am Flughafen erwartet. Wie das halt so ist kommt was dazwischen. Hippie Frauen bieten Mitfahrgelegenheiten und mehr und dann liegt da noch die alte Heimat auf dem Weg und da steigt am See Paradiso die Party des Jahres. Hört sich bis hierhin postpubertär an und ist es auch und trotzdem große Literatur. Ich weiß nicht warum (und die Vermutungen sind nicht besonders angenehm), aber Klupp schickt mit Alex ein ausgemachtes Arschloch on Tour und trotzdem folgt man ihm gebannt und hofft, dass am Ende alles gut wird und die Party katharsisch endet (wohlwissend dass das gar nicht sein kann).
"Buchmesse" ist das nächste Stichwort. Die Frankfurter Macher versuchen uns die exotischsten Länder näher zu bringen. Indien ist noch gar nicht lange her, und heuer ist die humorige Diktatur aus dem Reich der Mitte dran.  Ich bin eigentlich zu alt mit der Literatur noch anzufangen und den Versuch es doch zu tun, habe ich folgerichtig bereut. Balzac und die kleine chinesische Schneiderin heißt das Machwerk von Dai Sije  Hier geht es um zwei bauernschlaue Sudies die von Maos Schergen zwecks politischer Neuorientierung aufs unwirtliche Land verschickt werden. Das harte Schicksal meistern die beiden dann durch die Liebe und die Liebe zur Literatur und auch noch die Liebe zur Literaturvermittlung an Geliebte.  Nie waren politische Verbrechen süßlicher in Szene gesetzt. Wenn mir mal wieder nach "Der Wert der Kultur", greife ich zu Jakobs Buch "Frederic" (Leo Leonie), ist noch goldiger und sind wenigstens Bilder drin.
Von süß zu sauer. Hier geht es um Äpfel,  genauer um den Geschmack von Apfelkernen, soll heißen die Autorin  Katharina Hagene ist schwer metaphernreich unterwegs. Und so entspinnt sich eine Familiensaga nach schwedischem Muster (siehe oben) mit allem was überflüssigerweise dazugehört: Frauen in unterschiedlichen Ansehlichkeiten und Beziehungsständen, Rückblenden, Erinerungsfetzen, Bildworte und Aphorismen; Achtung Beispiel "Ist Erinnern Teil Vergessens oder Vergessen Teil des Erinnerns?". Wenn ich so was lesen mag, Leihe ich mir ein Poesiealbum meiner fünften Klasse.   Das Buch wirkt wie aus dem Wir-machen-einen-Bestseller-Baukasten zusammengesetzt So verdient es vielleicht den Bernhardt Schlink Gedächtnispreis ( auch so ein Zusammenschwurbler) aber keine weitere Aufmerksamkeit.
 
Daniel Glattauer: Die siebte Welle
Eine Fortsetzung zum besten Roman der letzten Zeit, muss das sein? Darf das sein? Man freut sich halt doch, dass es weiter geht zwischen diesen wortgewltigen Protagonisten Leo Leike und emmi Rother, die sich im ersten Teil "Gut gegen Nordwind" per puren Zufall via E-mail kennen lernten. Sofort war da "etwas" zwischen den beiden und es entbrannte ein fiebriges Hin und Her an Mails, das der Autor für uns sammelte. Dieses "Etwas", das man gerne Liebe nennen kann, kam nie zu einem Ziel. So perfekt die beiden Liebenden mit Worten werben, dikutieren, unterhalten und fesseln konnte, so gezielt versagten sie beim Versuch sich in der echten welt zu begegnen. Und nun der zweite Roman, der die abgebrochene Mailromanze wieder erblühen lässt und diese nach ein paar hundert Seiten zu einem Happy End in der Realwelt führt.
Hartmuth Engler der Romikatragengende schwäbelnde Schmalpoppper von Pur, meinte vor einem Jahren in einem Fußballinterview, er würde auf Deutschland als Weltmeister tippen "weil wir es uns doch alle heimlich wünschen". Genauso ist das mit dieser Fortsetzung. Natürlich wünschte wohl jeder Leser dieses Ende - und als es dann endlich da ist, fühlt man sich Hartmuth-Engler-Haftgerade als wäre man dabei ertappt worden wegen eines Purliedes eine Träne zu verdrücken und bereut es nachhaltig. Oder um es mit Veertretern auf der anderen Seite der Coolheitsskala, soll heißen den den Coenbrüder zu sagen: Keiner verdient ein Happy End, für Emmi, Leo und die Leser des ersten Teils wäre das das  bessere, weil wahre Ende gewesen.
 
Daniel Kehlmann: Ruhm
Gerne behaupten selbstverliebte Autoren mit dem neuen Buch ja die bahnbrechende Idee seit Erfindung des Geschlechtsverkehrs erfunden zu haben.... Kehlmann hatte sie, obwohl der genauso alt ist wie ich, jetzt bloß kein Neid und objektiv bleiben: Der Ösiautor entwirft einen Roman, indem er Kurzgeschichten aneinander fügt, die so gar nichts miteinander zu tun haben außer ein paar losen Stichwortanschlüssen. Oft ist das sehr witzig, wenn sich ein Ermunterungs- und Sinnstifterautor frustriert die Knarre an den Kopf hält um sich die Kugel zu geben, nicht selten wirklich gemein, wenn die arme Autorin während der Reise in einer Restsowjetrepublik verschollen geht und ihr Leben als Hausmädchen fristen muss und dosiert surreal, wenn etwa ein Starschauspieler feststellt, dass er gar nicht er selbst sondern nur ein Doppelgängernormalo ist. Und so nach und nach fügen sich diese Stories zu einem Ganzen zusammen, das uns viel über "Identität" erzählt, nämlich wie man sie finden kann, wie leicht sie verloren geht und wie sie in der Zeit die wir entweder Moderne oder Postmoderne nennen zusammengesetzt werden muss.
 
Philipp Roth: Empörung
Ein Buch über den Koreakrieg, braucht man das? Ja, Philipp Roth der große alte Mann des amerikanischen Romans nimmt das Vergangene um seiner Wut über sein Land Luft zu machen. Wie bereits in ein strebendes Tier nimmt er kein Blatt vor dem Mund, nur das es diesmal um die großen moralischen Fragen und nicht mehr um Altersgeilheit geht. Ein viel zu junger Bursche, ein armer aber begabter Collegestudent macht den Fehler seines Lebens: Er ist zu ehrlich und gradlienig. Deshalb fliegt er von der Lehranstalt und so führt der Weg gerade an die koreansiche Front, wovon er im Zinksarg zurückkehren wird. Roth erzählt wie im Fieber, läßt das Halbe Buch den Jungen als Toten berichten und man nimmt ihm diesen Kunstgriff ab, er fördert den Lesenfluß geradezu. Zwischen den Zeilen erklärt uns der Autor, dass es ein aktuelles Buch ist, auch wenn ein offensichtlich Schwarzer und allgemein anerkannter Messias die Geschicke der Supermacht besimmt und  dass die Front heute Afganistan oder Irak heißt und keine Aufmüpfigkeit mehr notwendig ist um dort zu sterben, das regelt die festgefahrene Klassengesellschaft heute stiller. Phillip Roth schreibt seine Empörung aus sich heraus, man muss ihn sich als glücklichen Menschen vorstelen.

Harald Martenstein: Heimweg
Der hochverehrte Kolumnist der Zeit kann auch anders, nämlich ganze Romane verfassen. Er bleibt sich dabei treu und erzählt locker aus dem Handgelenk, aus distanziert ironischer und reflektierender Weise eine große Geschichte des Spätheimkehrers Jospehs  aus russischer Kriegsgefangenschaft und die Probleme die Folgen im Witschatswunderland wieder Fuß zu fassen. Ganz nebenbei gerät ihm die Mainzer Neustadt zur Metapher des Orientierungslosen Deutschlands und beschreibt sie so genau als würde man Kaiserstraße Ecke Boppstraße stehen und die Allee entlangschauen (auch ganz nebenbei gelingt eine halbseitige Chrakterisierung des besten Vereins der ganzen Welt, wie sie so noch nie zu lesen war). Im kurzen Wiedersehen und langen Niewiederverstehen der Eheleute Joseph und Katharina entwickelt seine Theorie über die großen Themen des Lebens: Liebe, Wahnsinn und den Wahnsinn der Liebe. Macht mit Mainz als Schauplatz 4 gute Gründe das Buch zu lesen.

Sven Regener: Der kleine Bruder
Ich hatte da mal einen Lateinleherer, der hieß Herr Lehmann, nicht Frank mit Vornamen sondern Dietmar, wenn ich mich recht erinnere. Dieser Herr Lehmann war Teil eines mittelschulischen Traumas. Ich hatte wenig Lust auf ein mangelhaft in Latein und kein Interesse an Vokabel lernen, Stammformen pauken und Hausaufgaben im erweiterten Sinne. Die letzetere Unlust setzte sich fort und damit fuhr ich mein Lateinprojekt krachend gegen die Wand. Gemnauso wie der Frank Lehmann in Regeners Vorgängerbuch "Neue Vahr Süd" und da sich traumatische Kreise im glücklichen Fall auch mal Leine ziehen und sich schließen können, kommt Frank Lehmann im neuen Buch in Berlin an (und ich holte das Latinum an der Uni nach). Erstaunlich ziellosgesteuert findet er an einem Tag mit alles was man braucht  - eine WG, Freunde, hippige Punkfeinde einen Job und vor allem Karl. Dieser seltsame unzeitmäßige Genosse ist einmal mehr der eigentlioche Antiheld der Trilogie und beglückt den Leser mit zeitlosen Wahrheiten, auf dass die Tatsache, dass sich griechische Restaurants mit diesem Mampf-Pampf weltweit durchsetzen konnten, Mut zum Weiterleben macht.
Schade, dass eine Trilogie nur aus drei Teilen besteht.

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Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und Schatten.
Wer kennt das Gefühl nicht, dass das Leben auch hätte ganz anders werden können. Bei mir hieß die gute Sabrina Kopp (Name von mir geändert), machte mir im süßen Alter von 14 Avancen und ich habe mich nichts getraut. Hätte ich.... Ja hätte ich, dann...
So geht man die Entscheidungen des Lebens in Gedanken zurück und malt sich aus, was wäre wenn man in die andere Richtung abgebogen wäre.
Erstaunlicherweise, dass auch dem faktischen und historisch korrektem und markenbewußten Erzähler Christian Kracht diese Gefühle nicht fremd sind.

Weniger erstaunlich, dass er aus den Weggabelungen eine Horrorversion unserer modernen Wirklichkeit zimmert. Deutschland hat den revolutinären Lennin nicht per Plombe nnach Russland geschuickt und so hat der gute Ziegenbartträger eben sein Feuer in der beschaulichen Schweiz gelegt. Nur führte das in Gegesatz zur wirklichen Wirklichkeit zu einem heißen Krieg. Deutschland bildet gemeinsam mit England den faschistischen Schutzwall, Ws Kontinent vereint sich zu Amexika und führt forthin Bürgerkrieg und Ostafrika entwickerlt sich als Soldatenliferant zumindest technisch und fiskalisch prächtig.

Genial wie Kracht diese globale Horrorshow aus einer sehr persönlichen Sicht eines schwarzschweizerischen Apperatschik erzählt.
Sicher kein "Spaß" zu lesen, aber unbedingt lesenswert. Für mich persönlich in diesem Jahr der böse Bruder des Kleinen Bruders (Lehmann von Regener).
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 Auf der Hatz nach dem Leibhaftigen Minimize

Was Luther recht war, soll uns billig sein. Am Jahrestag der Martin-Luther-wirft-auf-der-Wartburg-ein-Tintenfass-nach-dem-Teufel-Nacht vertrieb Heiligenthal den Leibhaftigen mit einem beherzten umstoßen eines Farbeimers aus dem Pfarrhauskeller. Dies nur, sollten sich zukünftige Pfarrgenerationen über den Fleck wundern und auf dass die richtige Geschichte dazu tradiert wird. Was satan allerdings vor einem Tisch voll ausgemusterter Theologieschinken wollte, ist noch ungeklärt. Da die Mehrheit der Bücher allerdings von Barth verfasst ist, macht das ganze vielleicht aber doch einen Sinn...
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